Unsere Kolumnen zu aktuellen Themen
Hier finden Sie persönliche Meinungen und Stellungnahmen zu aktuellen Themen im Zusammenhang mit Europa.
Unser Mitstreiter Christof Nitsche schreibt:
Das Treffen zwischen Selenskyj und Trump war für mich so verstörend wie beängstigend und hinterlässt Fassungslosigkeit. Warum verhält sich Trump so mitleidlos gegenüber einem Menschen und mit ihm gegenüber dessen Volk, die durch einen Angriffskrieg unendliches Leid erfahren? Warum droht er ihnen mit dem Untergang in einem Dritten Weltkrieg, nur weil sie um abgesicherten Schutz bitten? Warum hat Trump keinen Blick für den langjährigen Verbündeten Europa, der von diesem Eklat mitbetroffen ist? Warum streicht er in der halben Welt Hilfsprogramme, stürzt tausende Menschen ins Elend und gibt damit ohne Not gute Beziehungen und damit Einflusssphären auf? Warum verbündet er sich mit dem imperialistischen Aggressor Putin? Warum zerstört er en passant die Weltordnung mit der UNO, die nach dem Zweiten Weltkrieg das Schlimmste verhindern konnte?
Für mich gibt es nur eine Erklärung: Er lebt nicht mehr in unserer Welt, weil er geisteskrank ist und Eingebungen folgt, die jegliche Rationalität und Empathie vermissen lässt. Er folgt seinem Wahn und betrachtet die Welt durch das Schlüsselloch in der Tür, die er hinter sich zugeschlagen hat. Und, er schafft es Millionen von Amerikaner in einem großen Illusionstheater in seine Welt hinüber zu ziehen. Warum fällt dann niemand in den noch demokratischen USA diesem Irren in den Arm, bevor er unsere Zivilisation in den Abgrund reißt?
Christoph Nitsche, Straßenhaus
Die Stunde Europas - Kommentar von Peter Schwarz
Nicht erst am Tag eins nach der Bundestagswahl wachen wir in einer anderen Welt auf. Die Bedrohungslage durch den Rechtsextremismus im Inneren, den Islamismus, den Krieg gegen die Ukraine, den kalten Krieg Russlands gegen Europa und nun noch Trumps Oligarchie, die uns sicherheitspolitisch und wirtschaftlich bedroht, hatten eine lange Vorlaufzeit. Zu lange haben wir uns gegen die Wirklichkeit gewehrt, die feindselig geworden ist. Es geht mehr denn je um die rücksichtslose Allianz aus Macht und Geld. Die Lagebeschreibung ist ernüchternd. Was nun? Es ist in gewisser Weise eine Ironie der jüngeren Geschichte, dass Europa, oft beschimpft, belächelt, unterbewertet, ausgenutzt, dass sich nun ausgerechnet Europa, die Europäische Union, als der einzige Rettungsanker anbietet. Wir wissen alle was Europa zu bieten hat, wenn es zusammenhält. 500 Millionen Menschen, den größten Binnenmarkt der Welt, innovative Wissenschaft und Wirtschaft, reiche Kultur und Werte. Wir haben unser gemeinsames Erbe unter Wert verkauft. Nationale Egoismen standen und stehen der Power, die Europa hat im Weg.
Unsere einzige Chance gegen die Übermacht aus USA, Russland und China ist, gemeinsam mit allen Mitgliedsländern in Europa, das gemeinsame Auftreten in allen außenpolitischen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten. Die Antwort auf „America, Russia, China first“ muss ab sofort „Europe united“ heißen. Unser aller Existenz, unsere Art zu leben hängt jetzt an diesem europäischen Schulterschluss. Er m u ß kommen – jetzt. Entweder schlägt jetzt die Stunde Europas oder wir werden zwischen den Begehrlichkeiten der Weltmächte untergehen. Kein einziges europäisches Land wird sich alleine wehren können. Wer sich anbiedert wird einverleibt. Friedrich Merz hat in den Diskussionsrunden am Wahlabend mehrfach betont, dass der europäische Schulterschluss für ihn höchste Priorität hat. Den Kredit für die Umsetzung soll er gerne haben. Als Pulse of Europe Neuwied setzen wir uns seit Jahren schon für ein starkes Europa ein. Merz muss seinen Einfluss als deutscher Bundeskanzler selbstbewusst in die Waagschale werfen und eine Führungsrolle in Europa übernehmen. Eine „Koalition der Willigen“ könnte dazu ein erster wichtiger Schritt sein um dringliche sicherheitspolitische und finanzpolitische Entscheidungen zu treffen. Ein Veto durch notorisch Unwillige, Verblendete in der EU darf keine Ausrede mehr sein. Der erste Auftritt von Friedrich Merz auf europäischer Bühne wird zeigen wie ernst es ihm um Europa ist. Merz muss es vor allem schaffen, die demokratischen Kräfte im Land zu einen und zu Politik zu fokussieren. Gemeint sind die Parteien, mit denen er ggf. wird koalieren müssen aber vor allem auch die Hunderttausende, die für unsere Demokratie zu Recht auf die Straße gegangen sind und es weiter tun. Sie stehen auf der richtigen Seite und haben Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt. Sie eignen sich nicht als Zielscheibe. Der Wahlkampf ist vorbei!
Unsere Zukunft ist Europa.
Vive L´ Europe!
Schwarz/ 24.2.25
AKTUELL: Peter Schwarz schreibt
Die "Herren der Welt" spielen rücksichtslos ihre Macht aus und Europa darf nur noch zuschauen. Die Ukrainepolitik der EU ist abserviert. Die Welt wird nach autokratischen Prinzipien aufgeteilt.
Die Uneinigkeit und Tatenlosigkeit Europas rächt sich. Im Gegenteil geben Europakritiker und Nationalisten den Ton an. Vom gemeinsamen Auftreten Europas, von Augenhöhe ist nicht einmal mehr ein Rest übrig. Man muss von den schlimmsten Befürchtungen ausgehen. Trump und Putin werden gemeinsam das Ziel verfolgen die EU in ihre Einzelteile zu zerschlagen um ihre Machtinteressen durchzusetzen. Weder seitens der Kommission noch seitens der Staatschefs ist irgendein gemeinsamer Plan erkennbar. Im Gegenteil hintertreiben Trump- bzw. Putinhörige oder nationalegoistische Politiker jeden Ansatz europäischer Politik. Wir sind auf dem Weg zum Kolonialstaat.
Aber wir dürfen wählen: Trump oder Putin.
Nachsatz von Klaus Hummel
Ich stimme Peters Einschätzung voll und ganz zu.
Uns bleibt nur die Hoffnung, dass sich die EU endlich wieder aufrafft das zu verwirklichen, was in vielen Reden beschworen wird. Nur dann werden wir als Gegengewicht zu Trump und Putin auftreten können.